alles was Sie über Piercings wissen sollten.

Pflege und Heilung des Piercings

Wichtig: Bei Komplikationen oder Entzündungen sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden!


Allgemeine Pflegehinweise

Vor dem Piercen dürfen keine blutverdünnenden Medikamente (wie z.B. Aspirin) eingenommen werden, da dies die Wundheilung negativ beeinflusst. Auch auf den Genuss von Alkohol und Nikotin sollte vor dem Besuch im Piercingstudio unbedingt verzichtet werden.

Das frische Piercing sollte möglichst 2-3 mal täglich gereinigt werden, bis dieses vollständig abgeheilt sind. Verwendet dazu am besten immer warmes Wasser oder eine Kochsalzlösung, um die Wunde von Schmutz und Bakterien zu befreien. Nach der äußeren Reinigung sollte die Piercingstelle bzw. der Stichkanal desinfiziert werden. Dazu könnt ihr den Stichkanal und auch den Piercingschmuck selbst mit Desinfektionsspray einsprühen.
Niemals sollte Alkohol zum Säubern der Piercingstelle verwendet werden, da Alkohol die Haut reizt und der Abheilungsprozess dadurch verzögert wird.

Auf Schwimmbad, Sauna und Solarium sollte während der Abheilzeit verzichtet werden!

Auch nachdem das Piercing verheilt ist, solltet ihr stets auf eine gründliche Pflege und Hygiene achten. Der Piercingschmuck und die Piercingstelle selbst müssen regelmäßig gereinigt werden.
Wenn die Heilung gut verläuft, kann das Piercing nach ein paar Wochen auch einmal herausgenommen und gründlich gereinigt werden. Man sollte allerdings nicht zulange warten, den Schmuck wieder einzusetzen, da die Piercingstelle sonst zuwachsen kann.


Besondere Vorsichtsmaßnahmen sollte man vor allem bei diesen Piercings beachten:

 

Bauchnabelpiercing:

Achtet bei eurem Bauchnabelpiercing darauf, dass ihr passende Kleidungsstücke auswählt, die nicht auf die Piercing-Stelle drücken oder reiben (z.B. Gürtel, …).

 

Intimpiercing:

Bei einem Intimpiercing sollte während der Abheilzeit auf jegliche sexuelle Tätigkeiten verzichtet werden.

 

Zungenpiercing:

Bei einem frischen Zungenpiercingschwillt die Zunge zunächst stark an. Das Lutschen von Eiswürfeln kann da relativ schnell (und auf angenehme Weise) Abhilfe schaffen und die Heilung fördern.
In den ersten Tagen sollte vor allem auf Alkohol, Tabak und Milch, aber auch auf sehr heiße Getränke oder scharfe Speisen verzichtet werden.

Für die Pflege im Mundbereich ist eine Spülung oder eine Lösung zum Gurgeln zu empfehlen.

 

 

Piercing-Größen

Die Stabstärke oder Ringstärke eines Piercings, bezeichnet die "Dicke", also den Durchmesser des Stabes bzw. des Ringes.
Die Stablänge wird zwischen den beiden Kugeln gemessen. Bei Ringen wird der Ring-Innendurchmesser gemessen.
Für die Größe der Kugel wird der Kugeldurchmesser, gemessen. Gerade Piercingstäbe
 

Gerade Piercingstäbe (Barbell / Hantel)

geeignet für Zungenpiercing, Brustpiercing, Ohrpiercing, Intimpiercing (beim Mann) ... Die Stabstärke, links im Bild rot eingezeichnet, bezeichnet den Durchmesser des Piercing-Stabes. Die Stablänge wird zwischen den beiden Kugeln gemessen.
 

Gebogene Piercingstäbe (Curved Barbell / Banana-Barbell)

geeignet für Augenbrauenpiercing, Bauchnabelpiercing, Ohrpiercing, Intimpiercing, Septum, Nasenrücken (Bridge) ... Die Stablänge wird zwischen beiden Kugeln (Luftlinie!) gemessen.
 

BCR (Ball Closure Ring) / Segmentring

andere Bezeichnungen: Klemmkugelring / Captive Ring geeignet für Augenbrauenpiercing, Bauchnabelpiercing, Brustpiercing, Ohrpiercing, Lippenpiercing, Lippenbändchen, Intimpiercing, Nasenpiercing, Septum ... Die Ringstärke bezeichnet den Durchmesser (die "Dicke") des Ringes. Für die Größe des BCR wird der Ring-Innendurchmesser gemessen. Für die Größe der Kugel wird der Kugeldurchmesser, links im Bild rot eigezeichnet, gemessen.
 

CBR (Circular Barbell Ring / Hufeisen)

geeignet für Augenbrauenpiercing, Brustpiercing, Ohrpiercing, Lippenpiercing, Septum ... Die Ringstärke bezeichnet den Durchmesser (die "Dicke") des Ringes. Für die Größe des CBR wird der Ring-Innendurchmesser gemessen.
 

Spirale (Twister)

geeignet für Augenbrauenpiercing, Bauchnabelpiercing, Brustpiercing, Ohrpiercing, Lippenpiercing, Intimpiercing, Nasenpiercing ... Genau wie bei geschlossenen Ringen wird hier der Innendurchmesser gemessen.
 

Nasenstecker (Nostril Stud)

geeignet für Nasenpiercing. Beim Nostril Stud wird die Länge des Steges gemessen.
 

Lippenstecker (Labret Stud)

geeignet für Lippenpiercing, Wangenpiercing (Cheek). Die Stablänge wird zwischen unterer Scheibe und aufgesetzter Kugel / Spitze gemessen.
 

Dehnungsstab (Expander)

Variationen: Dehnungsring / Dehnungssichel geeignet für Ohrpiercing. Der Durchmesser wird an der dicksten Stelle des Expanders gemessen. Diese Größe gibt an, wie weit das Ohr-Loch am Ende gedehnt werden soll.
 

Plug und Tunnel

geeignet für Ohrpiercing. Hier wird der Außendurchmesser, also die Ohrloch-Größe, gemessen. Beim Tunnel kann außerdem der Innendurchmesser (Loch-Größe innen) interessant sein, wenn man z.B. zusätzlich einen BCR oder CBR Ring hindurchstecken möchte.
 

Nipple Shield / Brustschmuck

geeignet für Brustpiercing. Gemessen wird der Shield-Innendurchmesser.
 

Surface Bar (Surface Barbell)

geeignet für Oberflächenpiercings (Surface Piercings). Die Stabstärke, links im Bild rot eingezeichnet, bezeichnet den Durchmesser des Piercing-Stabes. Die Stablänge wird wie beim einfachen Barbell zwischen den beiden Kugeln gemessen.

 

 

 

Materialkunde

Entscheidet man sich für ein bestimmtes Piercing, steht einem ein breitgefächertes Angebot verschiedenster Materialien zur Verfügung. Hat man für den Ersteinsatz noch eine eingeschränkte Auswahl, so kann man wenn der Stichkanal vollständig abgeheilt ist eine Vielzahl an Schmuck aus verschiedenen Materialien einsetzen.

Das Piercing, was direkt beim Stechen eingesetzt wird sollte ausschließlich aus Titan, Implantanium, Nobium oder PTFE bestehen. In all diesen Zusammensetzungen ist der Nickelgehalt geringer als 0,05%. Ein Nickelgehalt über diesem Grenzwert (wie zum Beispiel in Chirurgenstahl oder Silber) hätte in den meisten Fällen allergische Reaktionen zur Folge. Ist der Stichkanal jedoch einmal abgeheilt, ist die Auswahl des Schmuckes unbegrenzt. Man sollte aber unbedingt darauf achten, dass der Körperschmuck eine glatte Oberfläche hat, egal um welches Material es sich handelt. Ansonsten können sich zum Beispiel unschöne Hautgeschwülste um das Piercing bilden.

Kein Nickel bei Ersteinsatz!

Nickelhaltige Materialien überhalb eines bestimmten Grenzwertes sind generell beim Ersteinsatz von Piercingschmuck verboten.

Innerhalb der EG/EU trat das Gesetz über die Bestimmung zum Gebrauch von Nickel im Januar 2000 in Kraft. Entstanden ist die Verordnung aufgrund von Befürchtungen bezüglich allergischer Reaktionen und Überempfindlichkeit auf Nickel. Durch die Verordnung sollen Probleme, die durch dieses Metall verursacht werden, reduziert werden.

Laut dem Gesetz dürfen keine Artikel mit mehr als 0,05% Nickel mit offenen Wunden in Kontakt kommen. Artikel, die über einen längeren Zeitraum Kontakt mit der Haut haben, dürfen nicht mehr als 0,5µg Nickel pro cm2 pro Woche freisetzen. Chirurgenstahl (316L) enthält beispielsweise zwischen 6 - 13% Nickel und darf deshalb nicht vor der Verheilung des Stichkanals eingesetzt werden.
 

Acryl/Plexiglas

Acryl oder Plexiglas sind transparente Kunststoffe. Aufgrund ihrer sehr glatten Oberfläche, werden sie häufig für Plugs oder Dehnungsstifte verwendet.

Die Materialien werden in den meisten Fällen ohne Probleme vom Körper angenommen, weisen eine hohe Verträglichkeit auf und können so bearbeitet werden, dass sie unter UV-Licht leuchten.

Piercingschmuck aus Acryl oder Plexiglas hat winzige Poren, in denen sich Körperflüssigkeiten und Hautabsonderungen ansammeln können. Daher ist es enorm wichtig den Schmuck regelmäßig und gründlich zu reinigen, um Geruch und vor allem Reizungen der Haut zu verhindern. Als Einsatz in frischgestochene und wunde Stichkanäle sind Acryl und Plexiglas deswegen auch nicht geeignet.

Die Reinigung/Sterilisation mit Dampfdruck sollte man umgehen, da sich ansonsten die Farbe verändern oder völlig verlieren kann. Das sehr zerbrechliche Material kann bei stärkerer Belastung oder zu hohem Druck zersplittern, was zu Verletzungen des Stichkanals und der umliegenden Hautpartie führen kann.
 

Chirurgenstahl

Chirurgenstahl (316L) besteht aus einer Eisenlegierung, die einen relativ geringen Anteil an Nickel enthält. Durch die Bindung des Nickels an die anderen Metalle gelangen Nickelsalze jedoch nur bei einem verwundeten oder frisch gestochenen Piercing in den Körper. Aus diesem Grund darf Chirurgenstahl ausschließlich als Zweiteinsatz verwendet werden.

Als Ersteinsatz ist Chirurgenstahl ungeeignet, da es ansonsten zu Hautreizungen kommen kann, die bis zu Entzündungen des Stichkanals und dem Herauswachsens des Schmucks führen können.

Piercings aus Chirurgenstahl können relativ kalt und schwer sein, weswegen ihnen häufig ein anderes Material vorgezogen wird.

Chirurgenstahl wird auch in medizinischen Bereichen häufig verwendet (Knochenfixierungsschrauben, Knochenplatten, Drähte, Klammern).
 

Gold

Gold ist ein sehr edles, weiches Metall und sollte als Piercingschmuck nur ab 18 Karat (750er Gold) verwendet werden.

Als Erstschmuck ist Gold äußerst ungeeignet, da es durch die oft unebene Oberfläche zu Unverträglichkeiten mit der Haut kommen und diese sich stark entzünden kann.

Ist das Piercing vollständig abgeheilt, kann man zwar Schmuck aus Gold einsetzen, sollte aber dennoch aufpassen, wie es der Körper verträgt.
 

Implantatstahl (Implantanium)

Implantanium ist eine zum Edelstahl entwickelte Alternative. Der Gehalt an Nickel in diesem Material ist unter 0,05% und entspricht somit der EU-Richtlinie.

Es kann ohne weitere Bedenken als Erstschmuck und in wunden Piercings getragen werden.

Implantatstahl wird unter anderem für den Einsatz in der Medizin (z.B. als Knochenersatz) verwendet, woraus man eine entsprechend hohe Verträglichkeit sowie geringe allergische Reaktionen schließen kann. Da die Herstellung des Materials sehr aufwendig und teuer ist, haben die selten angebotenen Piercings meist einen hohen Preis.
 

Natürliche Materialien (Organic)

Holz
ist sicherlich eines der ältesten Materialien, aus denen man Schmuck herstellt. Gründe für seine stete Beliebtheit sind vor allem das geringe Gewicht und die Wärme des Stoffes. Außerdem ist Holzschmuck sehr angenehm im Tragen und ermöglicht der Haut um den Stichkanal herum das Atmen, was kaum Talgablagerung und Geruchsbildung bedeutet.

Jedoch ist nicht jede Holzart für den Einsatz geeignet, da allergische Reaktionen oder Hautirritationen auftreten können. Bevorzugt wird Hartholz verwendet, dessen Oberfläche sehr glatt geschliffen werden kann. Es ist sehr preiswert herzustellen, man kann es beliebig formen und es gibt verschiedene Farbabstufungen.

Nachteile von Schmuck aus ungeeignetem Holz sind zum Beispiel die Vielzahl an Poren, die Körperabsonderungen aufnehmen können. Ebenso kann es durch Austrocknen seinen Glanz verlieren, was allerdings mittels Pflanzenöl verhindert werden kann. Niemals sollte man Holz mit Dampfdruck desinfizieren, da das Material dadurch spröde und rissig wird.

Tierische Materialien
Horn, Knochen oder Elfenbein sind wie Holz ein weitverbreiteter und uralter Körperschmuck und gelten als besonders exotisch. Tierische Materialien sind leicht zu formen und können sehr glatt geschliffen werden. Außerdem lassen sie die Haut atmen und behalten auch bei kalten Temperaturen ihre Wärme.

Als Erstschmuck und in wunden Piercings sollte unbedingt auf tierische Materialien verzichtet werden, bei einem vollständig verheilten Piercing müssen allerdings kaum Bedenken bestehen.

Auch tierische Materialien können austrocknen und dadurch Risse erhalten, weshalb sie auch nicht mittels Dampfdruck sterilisiert werden sollten. Außerdem neigen sie bei schlechter Reinigung zu leichter Bakterienbildung. Deswegen sollte man solchen Schmuck, wie auch jeden anderen, bei einem seriösen Hersteller kaufen und sich nicht mit dem billigsten zufrieden geben. Die Oberfläche sollte glatt und gut verarbeitet sein, weder Kratzer noch sonstige Unebenheiten aufweisen.

Aus ethischen Gründen gilt die Verwendung besonders von Elfenbein oder Materialen vom Aussterben bedrohter Tiere häufig als bedenklich.

Bernstein
Bernstein besteht aus fossilem Harz. Dieser Schmuckstein wird schon sehr lange zu Piercings verarbeitet. Bernstein ist klar bis undurchsichtig und hat meist eine gelb-bräunliche Färbung, wird aber auch in schwarz, grün, rot, weiß und blau oder in Mischfarben angeboten. Es kann vorkommen, dass man darin eingeschlossene und gut erhaltene Insekten oder Pflanzen vorfindet, was natürlich einen besonderen Effekt hat.

Normalerweise dient das Material als Füllung für Schmuck aus Metall, Horn, Knochen oder Holz. Es werden aber auch massive Bernsteinplugs angeboten.

Vorteilhaft sind die glatte, sehr hautverträgliche Oberfläche und die gleichbleibend warme Temperatur von Bernstein. Er kann jedoch etwas zerbrechlich und hitzeunverträglich sein und sollte daher auch nicht unter Dampfdruck sterilisiert werden.



Niobium

Niobium (Niob) ist ein reines Element, dessen Eigenschaften denen des Titans sehr ähnlich sind und deswegen laut EU-Verordnung als Erstschmuck eingesetzt werden kann.

Niobum befindet sich zu sehr geringen Teilen im menschlichen Körper (in Blut, Knochen, Leber und Muskeln). Beim Einführen in den Körper ist es also nahezu ausgeschlossen, dass es Allergien oder sonstige Hautirritationen verursachen kann. Allerdings muss vorausgesetzt sein, dass der Schmuck aus 99,9% Niob besteht (999 Niobium). Liegt der Wert darunter, kann es trotz allem zu allergischen Reaktionen kommen. Eine Sterilisation unter Dampfdruck ist bei Niobium bedenkenlos möglich.

Das Material kann durch chemische Behandlung verschieden eingefärbt werden. Das heißt, dass eine durchsichtige Schicht aufgetragen wird, welche je nach Lichteinfall den Eindruck vermittelt sich farblich zu verändern (ähnlich wie bei einem Ölfilm auf nasser Straße). Das eigentliche Material verändert seine Farbe also nicht. Durch Hitze kann ein dauerhaft schwarzer Farbton entstehen. Leider gibt es keine besonders große Auswahl an Niobschmuck, da das Material sehr teuer und schwer zu verarbeiten ist.
 

Flexibel: PTFE (Teflon) / PMFK (Bioplast)

PTFE bzw. PMFK sind wohl die zwei bevorzugtesten Materialien, wenn es um Piercingschmuck geht, unter anderem weil beide biologisch sehr gut verträglich sind und keine Allergien verursachen.

Teflon und Bioplast sind leichte und glatte Kunststoffe, welche sich bestens für den Erst- und Dauereinsatz von Piercingschmuck eignen.

Besonders bei Piercings, die eine hohe Elastizität erfordern werden diese zwei Materialien gern verwendet. Da die Oberflächen dieser Stoffe sehr glatt sind, können Fremdsubstanzen (wie z.B. Wundsekret) sehr schlecht daran haften. Daher kommt es unter Verwendung von PTFE/PMFKzu weniger bis gar keinen Komplikationen während der Abheilung. Da das Material eine hohe Flexibilität besitzt, kann es auf die benötigte Länge zugeschnitten werden und auch ohne Einschränkungen sterilisiert werden.

Ein PTFE- oder PMFK-Piercing ist nicht magnetisch und muss auch beim Röntgen nicht entfernt werden.
 

Silber

Das Edelmetall Silber wird für viele verschiedene Schmuckstücke verwendet. Man sollte ausschließlich 925 Sterling Silber benutzen und es nicht direkt in den Stichkanal einführen, sondern nur oberflächlich und mit einem Stab aus Titan tragen (z. Bsp. als Nippleshield).

Auf keinen Fall sollte Silber als Ersteinsatz verwendet werden, da das Material eine Menge Nickel abstößt und es unter diesen Umständen zu Hautirritationen und -reizungen bis zur Abstoßung kommen könnte.

Silber ist ein weiß glänzendes Material, das leider dazu neigt schwarz anzulaufen und sich somit zu verfärben. Um das zu verhindern, gibt es rhodinierte Piercings aus 925er Silber, bei denen eine spezielle Legierung aufgebracht worden ist.

Menschen, die unter einer Nickelallergie leiden, sollten gänzlich auf Silberschmuck verzichten.
 

Titan

Titan eigent sich besonders für den Ersteinsatz (das erste Piercing, das direkt beim Stechen eingesetzt wird).

Das gebräuchlichste und sicherste ist hierbei Titan Grad 23 (auch unter der Bezeichnung Ti6AL 4V Eli). Dies ist ein spezialchirurgischer Titangrad mit einzigartiger Mikrofeinstruktur, welcher weltweit mit großem Erfolg in körperinternen medizinischen Geräten eingesetzt wird (Herzklappen, Schrittmacher und Prothesen). Das leichte, feste, weiß-metallisch glänzende Material ist absolut nickelfrei, weshalb es für primäre Piercings entsprechend der EU Nickel Richtlinien eingesetzt werden kann. Weitere Eigenschaften dieses Materials sind seine hochglanzpolierte, glatte Oberfläche sowie seine chemische Stabilität.

Beim Aussuchen von Schmuck sollte unbedingt auf eine genaue Spezifizierung des Materials geachtet werden. Wird das Piercingmaterial nur als Titan beschrieben, kann man sich nicht sicher sein, welcher Grad mit welchen Eigenschaften es ist und geht durch eventuell unpoliertes oder Titan mit rauher Oberfläche ein hohes Risiko ein.

Eine weitere Klassifizierungsstufe des Titans ist Titan Grad 1, eine Variante mit einem niedrigeren Materialpreis und mehreren Verarbeitungsmöglichkeiten als das hochwertige Titan Grad 23. Obwohl Körperschmuck Titan Grad 1 noch ab und zu angeboten wird, sollte man es nicht als Alternative wählen, da sich das umliegende Hautgewebe durch den Kontakt permanent schwärzen kann.

 

 

 

 

Piercings dehnen

Was bedeutet Dehnen von Piercings?

Wenn man davon spricht ein Piercing zu dehnen, meint man damit die Vergrößerung des jeweiligen Stichkanals, um Piercingschmuck mit größeren Durchmessern einsetzen zu können. Am häufigsten geschieht dies beim Lobe-Piercing im Ohrläppchen. Es lassen sich grundsätzlich auch andere Piercings dehnen, allerdings können dabei an vereinzelten Körperstellen Schwierigkeiten auftauchen (z. B. bei Knorpel- oder Oberflächenpiercings).

Wichtig ist, dass das Dehnen von Piercings eine bleibende Veränderung ist, welche in den meisten Fällen nicht von allein wieder rückgängig zu machen ist. Häufig wird aus rein optischem Effekt gedehnt, es gibt aber auch Piercings, bei denen das Dehnen empfohlen wird, um einen höheren Tragekomfort zu erlangen und das Ausreißen zu verhindern.

Welche Methoden des Dehnens gibt es?
Es bestehen verschiedene Möglichkeiten ein Piercing zu dehnen: Das einfache Dehnen mittels unterschiedlicher Hilfsmittel, das Einschneiden des Stichkanals durch einen chirurgischen Eingriff und das sogenannte Dermal Punching (Herausstanzen eines Loches).

Das einfache Dehnen:
Beim einfachen Dehnen wird das Piercing etappenweise vergrößert. Der Stichkanal des Piercings sollte vollständig abgeheilt sein, bevor man mit dem Dehnen beginnt und man sollte unbedingt zwischen mehreren Dehnungsschritten genügend Zeit lassen (mindestens 4 Wochen), damit das Gewebe sich beruhigen und nicht einreißen kann.

Das Dehnen mit Dehnungsstift:
Diese Methode ist wohl die am häufigsten gewählte. Ein konisch verlaufender Dehnungsstift (Taper) wird mit Gleitgel bestrichen und vorsichtig mit dem dünneren Ende in den Stichkanal eingeführt. An das dickere Ende wird der Schmuck angelegt und durch das Weiterschieben des Dehnungsstiftes automatisch eingeführt. Die Durchführung sollte dabei ohne Große Schmerzen erfolgen, lediglich ein kleines Brennen kann normal sein.

Als Alternative gibt es Dehnungssicheln, die man dauerhaft während des Dehnvorgangens trägt und langsam nachschieben kann. Neben diesen gewerblich hergestellten Hilfsmitteln, bedienen sich viele Leute auch selbst angefertigter Dehnungsgegenstände, wie z. B. Kugelschreibern oder Stricknadeln. Hierbei muss allerdings besonders auf saubere und hygienisch einwandfreie Materialien geachtet werden und man sollte ebenfalls nicht auf Gleitmittel (Vaseline oder Öl) verzichten.

Teflon-Band:
Bei dieser Methode wird eine dünne Schicht von nicht-klebendem Teflonband um den Schmuck gewickelt, der dann vorsichtig wieder in den Stichkanal geführt wird. Im besten Fall sollte das Band eine Dicke von 0,1mm haben. Sobald sich das Piercing an den größeren Durchmesser gewöhnt hat, wird eine erneute Schicht des sehr glatten und verträglichen Materiales um den Piercingschmuck gewickelt. Dieser Prozess sollte sich alle 6 Tage wiederholen, um die empfohlene Dehnungsrate von 1mm je Monat zu erreichen. Auf keinen Fall sollte man Isolierband, Tesa oder ähnliches verwenden, weil diese Materialen Klebstoffe enthalten, die vom Körper abgestoßen werden.

Gewichte:
Die traditionellste Methode, die schon seit langer Zeit bei verschiedenen Volksstämmen Anwendung findet, ist das Dehnen mittels schwerer Objekte. Ein Nachteil ist allerdings das unangenehme Empfinden und die dauerhafte Verdünnung des Gewebes.

Ohne Hilfsmittel:
Man kann den Schmuck auch ohne Verwendung von Hilfsmitteln durch den vorhandenen Stichkanal drücken, was jedoch zu vielfachen Problemen führen kann (Blutungen, Entzündungen, Vernarbung, Herausstülpen des Stichkanals). Piercings an Stellen mit viel Bewegung dehnen sich auch oftmals von selbst (z. B. beim Herumspielen am Zungenpiercing).

Schneiden:
Der Stichkanal wird nicht, wie beim Dehnen schrittweise vergrößert, sondern unter Verwendung eines Skalpells aufgeschnitten und auf die gewünschte Größe erweitert. Vereinzelt wird nach dem Einschneiden des Gewebes ein Dehnungsstift eingesetzt, was aber als eine enorm schmerzhafte Methode bekannt ist.

Dermal Punch:
Beim Punchen werden Teile des Gewebes in einer Größe von 2mm bis 8mm heraus "gelocht". Es kommt dabei oft zu höherem Blutverlust, allerdings verläuft die Abheilungsphase relativ schnell und unkompliziert. Da der Durchmesser des heraus gestanzten Teils genau dem Durchmesser des Schmucks entspricht, treten kaum Druckschmerzen auf.

Was für Schmuck kann eingesetzt werden?
In das abgeheilte gedehnte Piercing kann eine Vielzahl von Schmuck aus verschiedenen Materialien (Holz, Stein, Horn, Bernstein, Glas usw.) eingesetzt werden. Es gibt Ball Closure Rings (BCR) oder Barbells in entsprechend größeren Materialstärken oder spezielle Septum Tusks für das Septum-Piercing. Für das Ohr eignen sich sogenannte Plugs oder Flesh Tunnels.

Was muss bei der Heilung und Pflege beachtet werden?
Zwischen den einzelnen Dehnungsphasen sollten sich die Piercings jedes Mal beruhigen können, das heißt man sollte nicht voreilig schon zur nächsten Größe greifen, denn dadurch können endgültige Schäden (Narbenbildung) entstehen. Wird das Dehnen korrekt durchgeführt ist eine Abheilung später nicht nötig. Sowohl der Piercingschmuck als auch der Stichkanal sollten regelmäßig mit antibakterieller Seife gereinigt werden, um Talgablagerung und Geruchsbildung zu verhindern. Außerdem kann das Gewebe mit Ölen (Jojoba-Öl, VitaminE-Öl, ...) gepflegt werden, was durch tägliches Einmassieren gegen Ausdünnung und Narbengewebe vorbeugt.

Welche Schwierigkeiten können auftreten?
Zu Beginn des Dehnens ist die Haut häufig dünner und durchlässiger für Keime und Bakterien, wodurch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Bei gedehnten Piercings im Mundbereich kann der Schmuck noch leichter zu Zahnschäden führen und das Sprechen enorm beeinträchtigen. Erfolgen zu große oder zu schnelle Dehnungsschritte entstehen Gewebeschäden. Außerdem kann zu stark gedehntes Bindegewebe, sowie Deformationen von Knorpelgewebe meist nicht rückgängig gemacht werden.

 

 

Geschichte des Piercings

Piercing (engl. to pierce: durchstechen, durchbohren) hat seine Wurzeln in den religiösen Zeremonien animistischer Naturvölker. Es ist bekannt, dass die alten Mayas Zungenbohrung als Zeichen der Unterwerfung unter die Götter praktizierten. Bei den Indios wird das Piercing als Zeichen der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan, einer Familie oder einer Altersschicht verwendet. Die Mandan-Indianer im amerikanischen Westen haben den "Sonnentanz" - eine Art Extrem-Piercing, im afrikanischen Tschad stecken sich Frauen einen Aluminiumstab durch die obere Ohrmuschel, was den bösen Geistern den Zugang verwehren soll. Auch in Papua-Neuguinea und sogar bei den Appenzellern in der Schweiz kennt man Piercing-Arten, die magische Abwehrkräfte haben sollen.

Die Rückkehr des Piercings und seine Salonfähigkeit in unserer Zeit haben wir vor allem drei Gruppen zu verdanken: Den Punks, den Modernen Primitiven und den Fetischisten.

Die Punks traten im Jahr 1975 in London mit ihrem "Mülltonnen-Outfit" in Erscheinung: Sicherheitsnadeln durch die Nase, die Augenbraue oder die Wange. Ihre Botschaft ist die Rebellion gegen jegliche gesellschaftlichen Werte. Sie wollen mit ihrem provokanten Outfit eine neue Definition von Schönheit und Hässlichkeit ausdrücken.

Etwa zur gleichen Zeit wurden aus der Sado-Maso-Szene von Los Angeles heraus die "Modern Primitives" gegründet. Einer der Gründungsmitglieder, Fakir Musafar, der sich für die Reinkarnation eines indianischen Kriegers hielt, gehorchte Visionen und quälte sich mit Piercing-Ritualen, die Körper und Geist voneinander trennen sollten.

Mit "The Gauntlet" in San Francisco gab es schon 1976 den ersten modernen Piercing-Shop, die Verbreitung dieser Mode beginnt aber erst in den 1980er Jahren in Kalifornien, als die Bewegung der Modern Primitives, der modernen Wilden, entstand. Man übernahm bewusst die bei "wilden" Völkern verbreiteten Bräuche, um den eigenen Körper zu "verschönern": Dazu gehörten vor allem die Tätowierung (Tattoos), das Piercing oder die Narbenbildung (Skarifizierung). Noch zu Beginn der 90er Jahre blieb das Piercing überwiegend auf die Punk- und Sadomaso-Szene beschränkt. Relativ schnell wurde es aber in der westlichen Kultur "gesellschaftsfähig".

Für junge Leute spielt vor allem das Zugehörigkeitsgefühl zur Piercingszene, die sich von der konservativen elterlichen Umgebung deutlich abhebt, eine nicht unwesentliche Rolle.

Piercings sind Inbegriff eines Trends namens Body Modification. Dazu gehörten vor allem die Tattoos, das Piercing oder die Narbenbildung (Scarification), später auch das Branding. Noch zu Beginn der 90er Jahre blieb das Piercing überwiegend auf die Punk- und BDSM-Szene beschränkt. Von da aus breitete es sich im Lauf weniger Jahre aus und ist heute als Schmuck beinahe allgemein akzeptiert.

Piercings haben sich in den letzten Jahren zu angesagten Schmuckstücken entwickelt. Mehr als zwei Millionen Deutsche tragen mindestens ein Piercing. Besonders unter Mädchen hat sich diese Modeerscheinung durchgesetzt. Man trägt sie vorwiegend an Bauchnabel, Zunge, Ohren, Augenbrauen, Nase...

 

www.bigkid-piercing.de

 

 



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